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Posten im Sand

Hannes Zaugg, 17. Februar 2011

Fragte mich jemand Ende vergangenen Jahres, wo ich den letzten OL gelaufen wäre, so verunsicherte ich mit meiner Antwort viele. Denn in der zweiten Novemberhälfte 2010 habe ich meine Posten im Sand gesucht, bin ich in der Wüste OL gelaufen. Das gibt es, vielleicht war ich an einer Première dabei. Nun werdet Ihr Euch fragen: wie kam es dazu?

Gehen wir schön der Reihe nach. Seit einigen Jahren verbinde ich meine Reisen mit OL’s. Dafür gibt es einen speziellen Anbieter: die PWT-Travel vom mehrmaligen Weltmeister Jörgen Mårtensson. Er hat diese Lücke im Reisegeschäft entdeckt und konsequent ausgebaut. In die klassischen Reiseprogramme, wie sie überall gebucht werden können, streut er einige Orientierungsläufe ein, der gelungene Mix führt meistens zu einem einzigartigen Ferienerlebnis. So auch bei der Reise von der hier die Rede ist.

Sie hiess verheisungsvoll "1001 Nacht", führte von Doha (Quatar) über Bahrain nach Oman, wo wir eine tolle Rundtour absolvierten und endete in den Vereinigten Arabischen Emiraten und dort in Dubai. Die einzelnen Länder und Orte werden in den Reiseprospekten gut beschrieben, ich konzentriere mich deshalb auf die Läufe, die immer am Tag und auch nicht tausendundeinmal stattfanden sondern es waren exakt fünf Gebiete, die wir mit Kompass in der Hand und Chip am Finger heimsuchten. Fangen wir an ...

... in Quatar, rund 50 km südlich von der Hauptstadt Doha. In diesem Wüstenstaat (ausser Meer, Sand und einige Häuser hat nichts weiter zu bieten) finden in gut einem Jahrzehnt die Fussball-Weltmeisterschaften statt, für die internationale Orientierungsfamilie (die mit gut 100 Personen vertreten ist) war es der erste Wüstenevent. Von einem Camp am Meer aus ging es in die Wüste, Sandhügel hinauf kraxeln (was bekanntlich nicht sehr einfach ist), auf der andern Seite hinunter, kleine Tälchen entlanglaufen, über Salzseen wetzen, die teilweise noch feucht waren, so dass man fast ausrutschte. Und dann wieder Düne hinauf und hinunter. Ich hatte knapp 30 Minuten für die gut 3 km und war komplett ausgelaugt, das Sandlaufen strengt furchtbar an. Auf der Rangliste lag ich in der Mitte, obwohl ich rasch unterwegs war und alle Posten korrekt anlief. Die Konkurrenz war nicht zu unterschätzen, vor allem gut trainierte Nordländer, die in die Jahre gekommen sind.

OL-Karte Qatar

Szenenwechsel, wir fliegen vom reichsten Land der Welt (Quatar) mit den grössten Erdgas- und beachtlichen Erdölvorkommen in den Nachbarstaat Bahrain, wo die Oelquellen nur noch wenige Jahre sprudeln. Auch hier ist die Arbeitslosigkeit eingezogen und die Zahl der Fremdarbeiter unter die Hälfte gesunken (in Quatar kommen auf einen Einwohner vier Fremdarbeiter), das Hotel macht auf Hochglanz ist aber billiger und das Internet muss teuer bezahlt werden, obwohl es nicht mehr tadellos funktioniert. Am Morgen früh, vor dem Frühstück, gibt’s den zweiten OL. Direkt vom Hotel aus, in eine Gegend mit Einfamilienhäusern und in ältere Quartiere, dazwischen einige Wohn-Blöcke. Zu Beginn frage ich mich, was in einem solchen Vorortsquartier wohl spannend sein soll? Doch einmal mehr habe ich die Stärken der PWT-Organisatoren unterschätzt, welche in den abgelegensten Orten der Welt wunderbare Läufe hinzaubern. Auch hier ist eine abwechslungsreiche Gegend, die Strassen sind verwinkelt, die Einfamilienhäuser mit hohen Mauern um eben, bei den Wohnblöcken kann man gut zwischendurch laufen, diese sind zudem recht wild angeordnet und die verwinkelten Gassen führen manchmal in die Irre. Dazu kommt eine spannende Bahn, nach einer guten halben Stunde komme ich hoch zufrieden am Ziel an, nachdem ich noch einen Schlussspurt über eine Baustelle hinlegte. Es war wieder fantastisch – nicht nur wegen der fremdartigen Stätte, sondern wegen vielen ungeahnten Herausforderungen. Zudem haben wir einmal mehr ein uns völlig unbekanntes Land aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt. Am Abend gibt es dann noch eine Preisverleihung in gediegenem Rahmen, auch diesbezüglich ist Jörgen Mårtensson ein wahrer Weltmeister.

OL-Karte Sanabis

In Oman sind wir ständig unterwegs: mit dem Bus über endlose Landstrassen, mit dem Offroader durch hügelige Wüsten und zu Fuss wandern wir in einem herrlichen Wadi. So bleiben uns nur noch die letzten drei Tage für weitere Orientierungsläufe. Sie fanden jeweils wegen der Hitze am frühen Morgen statt (die Temperatur stieg mittags über 30 Grad). Zunächst in El Hamra, einer Oase am Fusse des höchsten Berges von Oman, welcher beachtliche 3‘000m aufzuweisen hat. Der OL fand im alten Teil des Ortes statt, der sich durch Lehmbauten auszeichnet, die teilweise am Verfallen sind oder nur noch als Ruinen bestehen, ein zweites Gebiet, das kartografiert wurde, ist ein Palmenwald und ein ein drittes ein steiniges Gelände am Dorfrand, das sind flache Felsen und kleine bis mittlere Steinbrocken. Der Lauf ging durch alle drei Teile, was ihn abwechslungsreich machte. Unsere Strecke führte zuerst in den alten Teil, schmale Gassen, sehr verwinkelt, einzelne Stellen waren verschüttet, schlecht lesbar. Dann in den Palmenwald, kleine Weglein, Sträucher und Stacheln, Gräser in allen Grössen, Sichtbarkeit gut bis mittelmässig. Wir mussten dann wieder zurück in das Oasendorf, dann in das freie Gelände, unter die gleissende Sonne und wieder in den Palmenhain und zum Schluss nochmals in den Ort. Der Lauf war vielseitig, spannend und doch schnell; und das auf einer Karte, die auf Google Earth basierte und nicht mehr überarbeitet werden konnte, da der Kartenzeichner kein Einreisevisum mehr erhielt (auch das ist Arabien).

OL-Karte Al Hamra

Ein letzter Kartenwechsel, wir sind in einer der modernsten Städte der Welt, in Dubai steht das höchste Gebäude der Welt, der Burj al Kalifa, mit 828m Höhe reicht er von Meereshöhe bis fast zum Uetliberg. Der erste Lauf findet am Stadtrand statt, in einem Park und dem angrenzenden, steppenartigen Gelände. In dieses gehen wir zuerst, kleine und mittlere Sandhügel, zum Teil bewachsen, kleine und grössere Bäume und Sträucher mit sehr unangenehmen Stacheln, dann Wechsel in eine Parklandschaft, welche gut bevölkert ist, weil wir am Freitag laufen, dem islamischen Sonntag. Da geht es Hecken und abgesperrten Gebieten entlang, ein kleiner Teil auf asphaltierten Strässchen, das meiste jedoch im Sand, nicht sehr gut belaufbar, vor allem die (kleinen) Hügel hinauf ist es anstrengend. Dazu kommen viele Richtungswechsel, unterschiedliche Landschaften, Spielplätze mit kleinen Gebäuden und Teichen. Auch hier vielfältig, spannend und sehr schnell trotz widrigem Sand.

OL-Karte Dubai, Mushrif Park

Am Samstagmorgen ein letzter OL in einem anderen Park, diesmal nur Rasen, also weniger mühsam. Dafür mehr Hecken, etwa ebensoviele Hügel, diesmal sind diese etwas flacher. Ultraschnell und doch schwierig. Denn es hat jede Menge Wege und Wegchen, wo sind wir genau?, lautet die Frage, die sich immer wieder stellt. Aber auch dieser letze Lauf ist professionell ausgesteckt und deshalb herausfordernd und schön. Wir sind alle zufrieden und fahren bereits um 10h ins Hotel zurück. Nun geniessen wir noch etwas das verrückte Dubai, den organisierten Wahnsinn, gestern waren wir auf dem höchsten Gebäude, heute fahren wir zur Emirates-Mal, wo man in einem Wüstenland skifahren kann, nicht auf Sand, sondern mit künstlichem Schnee in einem Gebäude, das auf -5 Grad hinunter gekühlt wird.

OL-Karte Dubai, Creek Park

Impressionen: OL in der Wüste

© OLG Säuliamt 2010